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Steve Jobs bei einer Präsentation in San Francisco im Jahr 2009. Wie soll es nun weitergehen?

Nach dem Tod von Steve Jobs dürfte die Magie der Marke leiden. Der Konkurrenzkampf wird sich zuspitzen. Natürlich kondolierte am Donnerstag auch Samsung. Der "innovative Geist" von Steve Jobs und "seine bemerkenswerten Errungenschaften" würden der Welt im Gedächtnis bleiben, so der koreanische Elektronikgigant.Frankfurter Rundschau

Tags zuvor hatte sich der Konzern ganz anders über eine der Errungenschaften geäußert, die Jobs durchaus zuzurechnen sind.

 

Die Koreaner sind der Ansicht, dass Apple ihnen Technologie fürs neue iPhone 4S klaute, Patentklagen sind anhängig. Samsung sprach gar von "Krieg". Seit Monaten bekämpfen sich die Unternehmen mit Klagen und Gegenklagen. Es geht um viel, darum, sich Schlüsseltechnologien zu sichern - zwar spielen Smartphones eine Rolle. Doch eigentlich tobt der Kampf um die Aufteilung des Marktes für Tablet-Rechner. Denn die riesigen Umsatzsprünge werden künftig bei den tragbaren Rechnern ohne Tastatur erzielt, in die gleichwohl viel Technik ihrer kleinen Brüder, der Handys, eingebaut wird. Hier hat sich Apple, dank Jobs, Vorteile erkämpft.

Trotz der Anfeindungen durch Samsung werde der Konzern aus Kalifornien noch in vier Jahren Marktführer bei den Tablets sein, ist sich Carolina Milanesi vom US-Marktforscher Gartner sicher. Der Grund: Apple biete eine "herausragende Nutzer-Erfahrung", dadurch dass Hardware, Software und Dienstleistungen, wie die Musikplattform iTunes, optimal aufeinander abgestimmt seien. Konkurrenten versuchten gegenwärtig zwar mitzuhalten. Doch Apple habe den Markt für die Tablets erschaffen und sich dadurch einen Vorsprung erarbeitet, der günstige Preise erlaube - ohne Kompromisse bei der nutzerfreundlichen Bedienung. Das lässt sich ganz bestimmt als Jobs Erbe interpretieren, von dem Apple noch zehren dürfte. Doch gehen Marktforscher davon aus, dass Konkurrenten, insbesondere Samsung, sukzessive näher kommen werden.

Evolutionärer Sprung

Steigende Umsätze sind gleichwohl mittelfristig für alle garantiert. Tablets krempeln den PC-Markt um, Laptops und Tischgeräte werden zunehmend verdrängt. Gartner geht davon aus, dass Apple 2015 rund 148 Millionen Tablets weltweit verkaufen wird - 2010 waren es nur rund 14 Millionen. Gut möglich, dass das iPad dann das wichtigste Produkt des Konzern ist und damit die Rolle des iPhones übernimmt, das derzeit für fast 50 Prozent des Umsatzes steht. Apple würde damit abermals eine Art evolutionärer Sprung gelingen. So wie damals, 2007, als sich die Absatzkurven mit dem Musikspieler iPod abflachten. Da kam das Mobiltelefon iPhone, in das zugleich der Musikspieler integriert wurde. Das iPad wiederum lässt sich als Weiterentwicklung des Smartphones verstehen.

Doch kann das alles ohne Jobs funktionieren? Wie es künftig bei Apple laufen wird, wurde am Montag deutlich. Die Präsentation des neuen iPhones war solide, doch Apple-Enthusiasten waren enttäuscht. Vordergründig, weil sie sich vom neuen Gerät mehr erwartet hatten, aber es fehlte eben auch Jobs, der Neuvorstellungen wie ein Hightech-Hohepriester zelebrierte. Er war nicht nur Vorstandsvorsitzender, sondern auch Teil des Apple-Systems, das nicht nur aus nutzerfreundlichen Geräten und coolem Design, sondern auch aus raffiniertem Marketing und Jobs als Chef-Verkäufer bestand. Der wirtschaftliche Wert dieses Faktors ist derzeit nicht zu ermessen. Für viele Branchenkenner ist aber heute schon klar, dass die "Magie der Marke" schwinden, dass Apple Samsung ähnlicher wird, dass sich der Konkurrenzkampf zuspitzt. Das könnte ein Grund für die Klagewut der beiden Konzerne sein.

Steve Jobs war ein Idol der Netzgemeinde - die User trauern um ihren "iGod"

Google verlinkt auf Apple - eigentlich undenkbar. Der Tod von Steve Jobs hat zwei der mächtigsten Firmen der Welt kurzzeitig geeint. Unter der bekannten Suchmaske stehen zwei Wörter und zwei Zahlen: "Steve Jobs, 1955-2011". Wer auf den Namen klickt, landet auf der Homepage des Konkurrenten.

Auch bei Apple ein ungewohntes Bild: keine iPhones, keine iPads, nur Steve Jobs in Großaufnahme. Nachdenklicher Blick, randlose Brille und sein Markenzeichen, der schwarze Rollkragenpullover. Fans können ihr Beileid mit einer Mail an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. bekunden.

Ein Blick zu Amazon verdeutlicht, wie sehr das Schicksal von Steve Jobs die Menschen bewegt. Unmittelbar nachdem sein Tod bekannt wurde, sprang die Biographie auf Platz eins der Bestsellerliste - obwohl das Buch erst in sechs Wochen erscheint.

Auf Twitter drücken hunderttausende User ihre Trauer in 140 Zeichen aus. "Steve Jobs" ist der meistbenutzte Begriff, dahinter folgen "Thank you Steve", "iSad" und "Rest in Peace", aber auch "Visionär" und "Genie". Die Twitterer vergleichen Steve Jobs mit Edison oder Einstein, erklären ihn zum wichtigsten Mensch seiner Generation. Es gibt Kritiker, die an die schlechten Arbeitsbedingungen in chinesischen Apple-Fabriken erinnern, doch die sind in der Minderheit. Viele Prominente und selbst die Chefs von Google, Facebook und Microsoft huldigen ihrem schärfsten Konkurrenten.

Bei Facebook findet man die Veranstaltung "Hour of Silence in all Social Media Networks". Wenige Stunden nach seinem Tod hatten sich hunderte Gruppen mit Namen "R.I.P. Steve Jobs" gegründet, einige mit über 50.000 Mitgliedern. Millionen User trauern um einen Menschen, auch wenn sie ihn nicht kannten. Apple war schon immer mehr als nur eine Marke, eher eine Art Philosophie, für manche gar eine Religion. Wie seltsam muss es gewesen sein, die Nachricht von Jobs Tod auf dem Display eines Apple-Geräts zu lesen.

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